Unser Sonny

Sonny B im 32. Lebensjahr

Auf dem Staffelder Parcours drehte Sonny B mit seinem Reiter die letzte Runde, ehe er abgesattelt wurde. Doch dem damals 17-jährigen Schimmelwallach gefiel der Abschied vom Sport und das „Nur-Dasein“ auf der Rentner-Koppel nicht. Muskelschwund und Mattigkeit waren die Folge.

Als ihn sein Besitzer dann dem Satower Reit- und Fahrverein in Mecklenburg-Vorpommern für den Kinderreitunterricht zur Verfügung stellte, erlebte er einen neuen sportlichen Frühling. Fortan brachte er die Jüngsten des Vereins unter Leitung von Hennrika Nehls das Reiten bei. Und bis heute fühlen sich die Leichtgewichte auf seinem Rücken wohl. Anfang März hat nun sein 32. Lebensjahr begonnen, was man ihm kaum ansieht. Im vergangenen Jahr gehörte er noch zum Festumzug bei der 800-Jahr-Feier in Satow mit den Vereinsmitgliedern.

Bis heute wird der Wallach mit gutmütigem Charakter vom Reiternachwuchs noch liebevoll umsorgt. Für die Kinder ist der Schimmel der „Sonnenstrahl“ im Verein. So heißt übrigens auch sein Vater, ein Sohn vom Trakehner Trafaret. Er war damals auf der Deckstation Kölsa (VE Pferdezuchtdirektion Süd). 1989 erblickte Sonny B in der LPG (T) Prießen (Kreis Finsterwalde/Brandenburg) das Licht der Welt. Es war das vierte Fohlen der Stute Lorelei II, die vom polnischen Trakehner Lwow abstammte und mütterlicherseits Duell II im Pedigree hatte. Konrad Großmann von der Agrargenossenschaft Werenzhain e.G. verkaufte ihn dreijährig nach Staffelde. Damals stand noch der Name Soron auf dem Fohlenschein bzw. Impfausweis für Pferde.

Der mit Pfeil und Schlange sowie einem E gebrannte Schimmelwallach nahm ab dem vierten Lebensjahr den klassischen Weg in der Ausbildung und im Turniersport: Material-, Eignungs- und Springpferdeprüfungen und zwischendurch auch mal eine Dressur im Viereck. Er sah alle großen Turnierplätze in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. In der nun abgerissenen Berliner Deutschlandhalle hatte Sonny B unter den Augen seiner Züchter wohl seinen prominentesten Reiter auf dem Rücken, Geoff Billington. Der Brite imitierte damals in einem Showteil seine Reiterkollegen Hugo Simon, Jan Tops und John Whittaker im Sattel des Sonnenstrahl-Sohnes. Und dieser zeigte sich unbeeindruckt von der Kulisse.

In den Prüfungen war er vorwiegend mit Nachwuchsreitern unterwegs. So feierten vor allem Thomas Buchholz, aber auch sein jüngerer Bruder Marcus sowie Ariane mit ihm Siege und viele Platzierungen im Parcours sowie im Viereck. Am Ende der sportlichen Karriere standen bei der FN 77 Erfolge zu Buche. Zwölf Goldene Schleifen holte er in Dressur und Springen bis zur Klasse M. Darüber hinaus war Sonny B ein zuverlässiges Lehrpferd. Keinem seiner Reiter versagte er in den Abzeichen-Prüfungen den Erfolg und das noch bis ins hohe Alter.

In diesen Tagen der Corona-Krise muss er allerdings mit etwas weniger Fürsorge auskommen. Ab und zu führen ihn die Kleinen vom Satower Reitverein noch einzeln zum Grasen. Und wenn sie nicht da sind, genießt er täglich die Sonnenstrahlen auf der Koppel mit weiteren Stallgefährten.

Hans-Joachim Begall